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Theaterbesuch der 10. Jahrgangsstufe in Ingolstadt
Erstelldatum01.06.2026
„Heftig, spannend, nervenaufreibend, unverblümt, intensiv, konfrontativ, bisher das beste Schul-Theater!“
So fassen viele unsere 10.-Klässler im Nachgang in Worte, was ihnen beim Theaterbesuch in Ingolstadt am 25.3.26 widerfahren ist. „Verrücktes Blut“ heißt das Werk, das seinem Namen alle Ehre macht, da der Begriff, der aus dem Türkischen kommt, soviel bedeutet wie „hitzköpfiger Jugendlicher“.
Von dieser Spezies gibt es im Stück einige, ein Lehrer versucht sie zu unterrichten, scheitert und verliert die Nerven, als eine Waffe im Klassenzimmer auftaucht. Es gelingt ihm, sie an sich zu reißen und plötzlich sind die Machtverhältnisse umgedreht. Wer die Waffe hat, bestimmt. Vor dem Hintergrund der neu aufflammenden „Stadtbild“-Debatte wirft das Stück Fragen über Benachteiligung, Misstrauen, Rassismus, Anpassungsdruck und Jugendliche auf, die das Gefühl haben, chancenlos zu sein in einem System, das ihnen Aufstieg durch Bildung verspricht, an der sie jedoch scheitern. Aber die Rollen, die ihnen von der Gesellschaft zugeschrieben werden - ungebildet, gewalttätig, frauenfeindlich - sind nicht naturgegeben und damit veränderbar. Das versucht der Lehrer verzweifelt in die Köpfe seiner Schüler zu hämmern, indem er sie mit vorgehaltener Waffe zwingt, Schillertexte zu rezitieren, um sie dadurch aufzuklären.
Dabei fallen viele laute Schüsse auf der Bühne, zu viele, finden die meisten von uns. Auch stört, dass wir nicht wirklich darüber informiert wurden, was auf einem Video war, weswegen ein Schüler fast getötet wird. Auch der Sinn der Gesänge hat sich nicht jedem von uns offenbart und teilweise war die Sitzanordnung rund um die Bühne nachteilhaft, weil man nicht immer alles sehen konnte.
Dafür fanden die meisten unserer jungen Theaterbesucher die Interaktion mit dem Publikum klasse, die Tatsache, dass wir auf Schulstühlen saßen und praktisch das Klassenzimmer waren, wurde als gelungen beschrieben, die Musik gefiel genauso wie die kreative Umsetzung, v. a. die Sound- und Lichteffekte bekamen das Prädikat „perfekt“, und die schauspielerischen Leistungen lobten unsere Schülerinnen und Schüler fast alle in höchsten Tönen.
Gut, dass wir das Stück vorbesprochen hatten, so ließen sich doch einige krasse Stellen leichter verkraften und wir waren vorbereitet auf die Darstellung verbaler und körperlicher Gewalt.
Wenn man schließlich im erbetenen Feedback zum Theaterbesuch auch noch Folgendes lesen darf: „noch nie so was Gutes gesehen“, „ging sehr unter die Haut“, „nachdenklich machend“, „ganz anders als andere Schul-Theater“, „sehr interessant und unerwartet“, „alles in allem so 7 von 10“, dann ist auch das stets besorgte Lehrerherz zufrieden.
Bild: S. Pfeiffer, Text: C. Gratzer





