Aktuelle Berichte
Begegnung und Erinnerung
Erstelldatum01.06.2026
Jüdisches Leben in Regensburg entdecken
Im Rahmen unseres neuen Konzepts zum interreligiösen Dialog, das den Austausch zwischen Religionen und Weltanschauungen stärken soll, besuchten die 9. Klassen Ende März 2026 die Synagoge in Regensburg und begaben sich anschließend auf die Suche nach historischen Spuren des Judentums in der Regensburger Altstadt.
In der Synagoge empfing uns Rabbiner Benjamin Kochan, der den Schülerinnen und Schülern eindrucksvoll seinen persönlichen Weg zum Rabbiner schilderte. Anschaulich erklärte er die zentralen Gegenstände des Gotteshauses – allen voran die Tora in Form der kunstvoll gestalteten Torarolle. Offen beantwortete er auch Fragen zum jüdischen Alltag: So berichtete er von einer App, mit der sich Lebensmittel auf ihre Koscherheit prüfen lassen, und von seinen zwei Geschirrspülern für „Milchiges“ und „Fleischiges“. Auch die Architektur der im Jahr 2019 eingeweihten neuen Synagoge wurde thematisiert, deren Dach an das Stiftszelt während der 40jährigen Wüstenwanderung erinnern soll. Auf die Frage nach Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 erklärte er, dass er sich in Regensburg sehr wohl und sicher fühle und noch keinen persönlichen Angriff erlebt habe, in seiner Heimatstadt Berlin jedoch nicht mit Kippa auf die Straße gehen würde. Die jüdische Gemeinde in Regensburg zählt derzeit etwa 600 Mitglieder, die meisten von ihnen kamen als sogenannte Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion nach Regensburg. Herr Kochan ist nicht nur für die wöchentlichen Gottesdienste zuständig, sondern er erteilt auch jüdischen Religionsunterricht in der Synagoge. Derzeit unterrichtet er 17 Kinder und Jugendliche.
Die anschließende Stadtführung mit der Regensburger Stadtmaus machte die wechselvolle Geschichte des Judentums sichtbar: von der „Judensau“ am Dom über das Dani-Karavan-Denkmal am Neupfarrplatz bis hin zu eingemauerten Grabsteinen und Stolpersteinen für ermordete Regensburger Juden. Ergänzend wurde erläutert, wie eng die mittelalterliche Geschichte der Stadt mit der jüdischen Gemeinde verbunden war und wie abrupt dieses Zusammenleben durch Verfolgung und Vertreibung endete. Besonders eindrücklich war die Erkenntnis, dass viele Spuren jüdischen Lebens erst auf den zweiten Blick sichtbar werden und ein bewusstes Hinschauen erfordern.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich betroffen, aber auch interessiert und stellten zahlreiche weiterführende Fragen. Die Exkursion verband so lebendige Begegnung mit historischem Bewusstsein und leistete einen wichtigen Beitrag zu Toleranz und gegenseitigem Respekt. (Manuela Bauer)







