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, der sich im Grundkurs mit Sozialutopien auseinander gesetzt hat:



Auf ewig gleich = auf ewig glücklich? Die Gedankenbaustelle Utopia.

Wie jeder klassische Sozialismus scheitert Utopia daran, dass es keine natürliche Lebensform der Menschen darstellt. Alle Gefühle, die in Utopia als unheilbringend bezeichnet werden, stellen jedoch in ihrer Grundform natürliche Triebe des Menschen dar:

1. Kein Eigentum, kein Geld, keine Macht, keine Menschen
Wie bereits Marx bei seinen Ausführungen über den Sozialismus betonte, braucht es für eine derartige Staatsform einen „neuen Menschen“. Dieser muss sämtliche angeborene und über Jahrtausende erlernte Triebe aufgeben. Der Mensch ist im Grunde nichts weiter als ein besonders intelligentes Tier, das erst seit der evolutionär gesehen lächerlich geringen Zeit von ungefähr 2000 Jahren in zumeist begrenzter Kultur lebt. So sind die Urtriebe der Menschen, wie der Drang danach seine Konkurrenten zu übertreffen, um Macht, Einfluss, materiellen Reichtum oder Privilegierung bei der Partnersuche zu erreichen, immer noch aktiv und werden es noch Hunderte von Jahren bleiben. Die Anpassung an die heutigen Lebensverhältnisse geht längst nicht einher mit der kulturellen Entwicklung der Zeit. Der Instinkt hinkt der Zeit hinterher und steuert den Menschen im Unterbewusstsein. Nun klingt Utopia nach einem perfekten Staat, in dem kein Mensch leiden, hungern oder auf andere Art Schmerz empfinden müsste. Dabei wird vergessen, dass wir durch die Ausschaltung dieser Gefühle einen großen Teil unserer Identität gleich mit vernichten, da es Lust nie auch ohne Unlust geben kann und beides fundamentale Charakterzüge jedes Menschen sind. Darüber hinaus sieht sich der Mensch doch immer nur in Relation zu seinen Artgenossen. Er will genauso viel erreichen wie die anderen, eventuell sogar besser sein, er will sich beweisen. Durch die Ausschaltung des Geldes und des Eigentums als Erfolgsindikator nehmen wir dem Menschen das Mittel sich selbst zu messen, und durch die totale Gleichmacherei im aufgezwungenen Sozialleben ohne Bestätigung und ohne Herausforderung, verflüchtigt sich der Konkurrenzcharakter des menschlichen Daseins. Die Bürger von Utopia werden um ihre Identität betrogen, da sie das, was sie zum Menschen macht, nicht ausleben dürfen. Nicht nur Langeweile, sondern eine Sinnlosigkeit des Lebens wären das Resultat; die Selbstmordrate und die Gefahr einer offenen Rebellion wären hoch. Sicher ist die materielle Grundsicherung ein wichtiger Faktor unter den Bedürfnissen, aber wie bereits Maslow gezeigt hat, stellt sich nach der Erfüllung der Grundbedürfnisse der Wunsch ein, Höheres zu erreichen. Utopia kann zwar scheinbar soziales Umfeld und Sicherheit bieten, aber spätestens bei der 4. Stufe der Bedürfnispyramide scheitert die erdachte Insel: Auf ihr kann der Mensch nicht an Einfluss oder Macht gewinnen, er bleibt immer auf einer Stufe mit seinen Mitmenschen, was ihn unzufrieden macht. Sein Arbeiten bringt ihn oder die Gesellschaft nicht spürbar weiter, wodurch wie in der DDR wirklicher Anreiz zu Höchstleistungen nicht gegeben ist. Darüber hinaus wäre Individualismus in Utopia durch die Vereinheitlichung von Kleidung, Lebensformen und -bedingungen nicht möglich; die Menge aus unterschiedlichen Individuen verkocht in der Gesellschaft von Utopia zu einem identitätslosen Brei, was nicht den Bedürfnissen des Menschen entspricht, der sich doch in irgendeiner Form das Besondere an seiner Existenz vergegenwärtigen will. „Diese Staatsform, die ich (Thomas Morus) gern allen Menschen gönnte,“ wird den Bürgern Utopias zum Fluch.

2. Die Insel Utopia im weiten Meer der Selbstsucht
Utopia wird von seinem Erfinder als dauerhafter Staat bezeichnet, da kein anderer Staat die Insel erobern könnte. Um die Wehrhaftigkeit der Insel zu garantieren, müsste ein Geldäquivalent wiedereingeführt werden und es gäbe auch eine Art von Herrscher. Das sind massive Zugeständnisse an die Natur des Menschen, die Utopia doch so verleugnet. Es kann wohl nur als „Utopie“ bezeichnet werden, wenn man annimmt, dass das wiedereingeführte Geld keine Verlockung für die Bürger der Insel darstellt oder dass das Amt des Herrschers einer Diktatur oder Machtkämpfen nicht Tor und Tür öffnet. Zudem wäre Utopia ständig äußeren Gefahren ausgesetzt: Ein Land, das keine Armut und Knappheit kennt erregt den Neid anderer Völker, die auch materielle Absicherung wünschen.
Eine Nation wie Utopia wäre nicht nur unorganisierbar (wegen mangelnder Gesetze), sondern auch auf lange Sicht eben nicht überlebensfähig, da der Staat, der so viele und im Endeffekt gar niemanden repräsentiert, auf jeder Ebene der kulturellen Entwicklung zurückfallen muss.
Das fängt bei der Technologiefeindlichkeit der Gesellschaft an, die ja nur aus Bauern und Handwerkern besteht und wissenschaftliche Erneuerungen massiv blockiert. Die Rückständigkeit ist quasi Programm, denn jede neue Erfindung würde dazu beitragen, eine intellektuelle Oberschicht zu schaffen, die nach der Satzung des Staates ja gerade verhindert werden soll. Dadurch sinkt die wissenschaftliche Tätigkeit auf ein Minimum und Utopia fällt in der Konkurrenz der Länder zurück, was zwangsweise zu Problemen wie dem Verfall der „utopischen“ Währung führt. Auch ist zweifelhaft, ob das System der Söldnerwerbung dazu in der Lage ist, vergleichbar große Kontingente an Truppen zur Verfügung zu stellen, wie sie andere Nationen mit einer Volksbewaffnung aufbieten können. Zumindest stellen die Soldzahlungen massive Belastungen für die Wirtschaft Utopias dar, die ja in Reinform gar nicht existiert, sondern Angebot und Nachfrage nur im Bezug auf den Außenhandel kennt, so dass Utopia im Kriegszustand sehr viel produktiver sein müsste als zu Friedenszeiten, um die Kriegsgelder zur Verfügung stellen zu können.
Wer aber soll die Waren Utopias kaufen, wenn diese wegen der Rückständigkeit der Insel anderswo wesentlich schneller und hochwertiger hergestellt werden könnten? Falls Utopia also nicht von einem Staat erobert werden sollte, resultiert daraus zumindest die Verarmung, was zu steigender Verschuldung, Inflation und längeren Arbeitszeiten führt. Damit sind Unzufriedenheit und Aufstand vorprogrammiert.

3. Wer ist Utopia?
Das größte Problem an jedem sozialistischen Staat ist das mangelnde Identifikationspotenzial mit den Prinzipien des Sozialismus, die ja, wie bereits erläutert, der menschlichen Natur widersprechen. „Wer ist der Sozialismus?“ ist die häufig gestellte Frage, auf die es nur eine Antwort zu geben scheint: „Das Volk“. Der Sozialismus geht davon aus, dass jeder Bürger sich den „neuen“ Prinzipien hingibt und in dem Staat aufgeht, der ihm nicht gefallen kann. Es wird davon ausgegangen, dass der Bürger sein volles Arbeitspotential entwickelt und beibehält, obwohl er keinen direkten Nutzen in seiner Tätigkeit sieht und nicht besser begütert wird als sein Nachbar, der mit weniger Eifer bei der Sache ist. Soll dieser Mensch mit einem System zufrieden sein, das ihm jede Aussicht auf Erfolgserlebnisse nimmt, ihn nur als unbedeutendes Subjekt in einer Volksmasse ansieht und bei ungünstiger Wahl des Präsidenten auch noch zum Sklaven eines Unrechtssystems macht?
Es ist wohl nicht widerlegbar, dass die Worte Marx’ stimmen, wonach ein „neuer Mensch“ für die Durchführung des Sozialismus erforderlich wäre, denn ein Mensch, der seine tierische Vergangenheit noch nicht „vergessen“ hat und immer noch den lebenserhaltenden Wettbewerbstrieb in sich trägt, kann kein zufrieden stellendes Leben nach diesen Prinzipien führen.
Die Bürger von Utopia müssten gänzlich andere Menschen sein, als wir das sind; so anders, dass man sie schwerlich überhaupt noch als Menschen bezeichnen könnte, da sie alles verloren hätten, was die menschliche Rasse jemals ausgemacht hat.