Eine äußerst informative Geschichtsstunde erhielten die Schüler der 9. Klassen des Gabelsberger – Gymnasiums. Ernst Grube erzählte aus seinem Leben als Halbjude während des 2. Weltkrieges.
Geboren 1932 in München wuchs Ernst Grube als Kind einer jüdischen Mutter auf. Sein Vater war als Handwerker auf Wanderschaft und lernte bei einer Verletzung, die im Krankenhaus behandelt wurde, seine spätere Frau Clementine Maier kennen. Nach der Hochzeit wohnten sie in einem Haus neben der jüdischen Synagoge in München. Dort traf man sich nicht nur zum Gebet, sondern auch zum Austausch von persönlichen Gesprächen.
Bereits 1934 erfuhr die Familie die Ausgrenzungsversuche und die Verfolgung des Regimes. Kurz vor Beginn des Krieges wurde die Synagoge enteignet und abgerissen. Den Mietern im Nebenhaus wurden gekündigt und sie mussten ausziehen. Weil aber die Familie Grube nicht ausziehen wollte, musste sie ein halbes Jahr bis November 1938 ohne Wasser, Gas und Strom auskommen, obwohl sie mit ihrem 3. Kind ein Neugeborenes in ihrer Familie hatten. Am 7. November kamen die drei Kinder vorübergehend in ein Kinderheim und mit dem 9. November ging die „Reichskristallnacht“, die Reichspogromnacht, in die Geschichte ein.
Im Kinderheim lebten die drei Grube - Kinder zusammen mit 46 anderen jüdischen Kindern und lernten erstmals die jüdische Kultur kennen. Dort wurden die jüdischen Feste wie Hanuka, Sabbath und Pesach gefeiert. Die Ausgrenzung hatte aber noch nicht ihren Gipfel erreicht, aber bald musste jeder Jude den Judenstern tragen und erhielt zu seinem Vornamen den jüdischen Namen „Israel“ für Männer und „Sarah“ für die Frauen. Im Kinderheim herrschte Geborgenheit und die Feste schufen eine beruhigende Atmosphäre. Dadurch wurden die Heimbewohner eine eingeschworene Gemeinschaft.
Im November 1941 wurden 23 Kinder abtransportiert. Die Verfolgung der Juden aber ging auch außerhalb des Kinderheimes weiter. Den Juden wurde jegliches Recht auf eine Wohnung versagt und die Vermieter kündigten ihnen. Die im Heim verbliebenen Kinder kamen im März 1942 ins Lager in Milbertshofen in München.
Ernst Grubes Vater sollte sich von seiner jüdischen Frau scheiden lassen, um der Ausgrenzung zu entgehen, aber er weigerte sich. Viele Menschen hat Ernst Grube gekannt und getroffen, die in Viehwagons in die Vernichtungslager abtransportiert wurden. Ein Jahr waren sie eingesperrt in diesem Lager und die Mutter hoffte vergebens, dass ihre Verwandten den Krieg überlebten. Teilweise lebten damals 12 Kinder auf 50 m². Erst nach dem Krieg durften jüdische Kinder wie Ernst Grube zum ersten Mal in seinem Leben in eine normale Schule gehen. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihren Verwandten erfüllte sich für Clementine Grube nicht, als sie 1949 erfuhr, dass alle umgekommen waren.
Referent Grube ermahnte die Schüler, dass sich eine Zeit wie der Nationalsozialismus nie mehr wiederholen dürfe und dass es ihn immer wieder erschüttert, wenn Menschen in der heutigen Zeit ausgegrenzt, verfolgt und verletzt werden.
Viel gelernt haben die Schüler auch durch die Bilder, die den Vortrag unterstützten, und die vielen Begriffe und Besonderheiten des jüdischen Glaubens, die ausführlich erklärt wurden.