Der zu Unrecht manchmal als langweilig bezeichnete Wirtschaftszweig bewies wieder einmal, wie aufregend und interessant dieses Fach sein kann.
Auf Anregung von Studiendirektorin Ulrike Diepold-Ferstl kamen Studienrätin Ute Heim und Studiendirektor Joachim Barth vom Unternehmer- Gymnasium Bayern an das Gabelsberger - Gymnasium. Beide Projektleiter sind Lehrer am Gymnasium Pfarrkirchen und geben zusätzlich Workshops für die Wirtschaftszweige der Gymnasien in Bayern. Diese Workshops wurden auf Initiative der dortigen Schule mit Unterstützung des bayerischen Kultusministeriums zum Schuljahr 2008/09 für die 8. Klassen eingeführt, um unternehmerisches Handeln und Denken zu fördern.
Mit einem Bewertungsbogen konnten sich die einzelnen Schüler zu Beginn selber einschätzen, welche Bereiche ihnen besonders liegen oder welche besonderen Fähigkeiten der einzelne aufweist.
Um das Projekt so wirklichkeitsgetreu wie möglich zu gestalten, wurden verschiedene Abteilungen von den Schülern besetzt. So gab es ein Arbeitsamt, das Stellen vermittelte. Die Rechtsanwaltskanzlei befasste sich mit der richtigen Gründungsstrategie und beriet bei der Rechtsform. Die Bank arbeitete ein Finanzierungskonzept aus und gab Auskunft über die Höhe eines möglichen Darlehens, die Versicherungsberater informierten über die notwendigen und möglichen Versicherungen. Damit die Schüler in den einzelnen Abteilungen auch über ihr Fachgebiet Bescheid wussten, wurden sie von den Betreuungslehrern mit Anschauungsmaterial vorher geschult.
Je vier Schüler waren die Existenzgründer. Eine Gruppe plante die Errichtung eines Luxus-Wellness-Hotels in Dubai, die andere Gruppe fand eine richtige Autowerkstatt mit Lackierei und Waschanlage in Biburg als geschäftlich viel versprechend. Eine andere Gruppe plante ein Szenecafe in Landshut und ein Fastfood-Restaurant mit Übernachtung.
Der erste Weg führte die begeisterten Gründer zum Arbeitsamt. Dort wurden schnell die ersten Probleme bewusst. Ungelernte Arbeitskräfte sind billiger, aber dafür muss man sie anlernen. Behinderte werden vom Staat gefördert, Frauen können sehr schnell durch Schwangerschaft ausfallen und vieles mehr. Danach ging es weiter zum Rechtsanwalt, um die richtige Rechtsform zu finden. Mit einer GmbH haftet man nur beschränkt, aber dafür ist wieder Geld für den Notar notwendig, den diese Rechtsform für die Gründung vorschreibt. Andererseits möchte jeder der vier Beteiligten auch Chef sein. Eine schwierige Aufgabe für die Rechtsabteilung. Die nächste Anlaufstelle waren die Versicherungsagenten. Da stellten die jungen Damen und Herren sehr schnell fest, welche Versicherungen notwendig oder vorgeschrieben sind. Mit einer Übersicht der festgestellten Kosten ging es zur Bank. Spätestens da wurde vielen klar, dass es nicht so einfach ist eine Firma zu gründen. Viele Hürden sind zu überwinden und ohne gesundes Eigenkapital geht gar nichts. Dazu kommen neben den bereits von den Abteilungen errechneten Kosten noch die Investition für den Betrieb selbst. Zu guter Letzt blieb nur noch die Ausschau nach Investoren, die in ein Erfolg versprechendes Konzept investieren könnten. Mit einer Präsentation ihrer Geschäftsidee und der Bekanntgabe der Investitionen, Darlehen und Gewinnaussichten endete der Workshop.
Die beiden Leiter gaben neben der begleitenden Hilfe während des Workshops noch Tipps, was man verbessern könnte. Zum Schluss bestätigten alle Beteiligten, dass Wirtschaft sehr interessant und spannend sein kann. Aber Existenzgründungen sind doch eine schwerwiegende Entscheidung mit weit reichenden Folgen.