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Mobiles Theater am GGM gewährt tiefe Einblicke in die Psyche Pubertierender - und ihren Sprachgebrauch
Eine besondere Premiere fand kürzlich am GGM statt. Der im Zuge des Mensa-Anbaus entstandene Mehrzweckraum wurde erstmals mit großem Erfolg zur mobilen Bühne eines Wandertheaters umfunktioniert: Zwei junge weibliche Darstellerinnen des Weimarer Kultur-Expresses waren auf Einladung der Fachschaft Deutsch für die 7. Klassen „vorbeigestartet“, um mit dem Stück „Puppen, Pickel, Pubertät“ frischen Wind in den „verstaubten Bildungsbunker“ zu bringen und mit „Schmacko“ Aufklärungsarbeit für das jugendliche Publikum zu leisten, was den „Intelligenzallergikern aus der Erzeugerfraktion“ [die Elterngeneration; A.d.V.] nicht immer zugetraut wird.
Wie aus den zitierten Beispielen unschwer zu erkennen, wurde bei der Inszenierung der vielen kurzen Einzelszenen aus dem Alltag zweier pubertierender Freundinnen viel Wert auf authentische Jugendsprache gelegt, wodurch auch die betreuenden Deutschlehrer ganz neu „aufgeklärt“ wurden bzw. lernen mussten, bei dem sich vereinzelt einstellenden „Achselterror“ - an denkbaren Delikatessen wurde nichts ausgelassen - „cremig“ zu bleiben. Mit Bravour meisterten die beiden professionellen Aktricen einen vielfältigen Rollenwechsel, sie gaben nicht nur die Teenager Vicki und Luise selbst, sondern auch deren Eltern und die von ihnen umschwärmten Jungs in allen Lebenslagen zum Besten. Gespielt wurde zudem mit dem Publikum und seinen Erwartungen: Trat Dr. Pub (von Pubertät; A.d.V.) mit seiner Assistentin Fräulein Beate auf, hieß es in Deckung gehen. Da wurde das Publikum dazu verführt den Nachbarn (unsittlich) am Knie zu berühren und man musste mit Fragen zu Vorlieben in Bezug auf Reizwäsche ebenso rechnen wie mit einer Enttarnung als Drogenabhängiger. Subtile Fallen wurden inszeniert und wer schließlich zugab die „Volksdroge“ Alkohol schon konsumiert zu haben – also fast alle wie unser Bild zeigt – wurde als möglicher Drogenabhängiger der Zukunft eingeordnet und mit der Prognose etikettiert, eines der rund 40000 Todesopfer jährlich in Folge von Alkoholmissbrauch zu werden. Dieser Rat doch lieber „Aquaholiker“ zu bleiben, auch wenn alle anderen „am Teller drehen“ und einen zum Mitmachen verführen wollen, traf wie die meisten Szenen ins Schwarze. Überhaupt wurde der Rolle der Eltern als Vorbild ein gebührender Raum gewährt: der karrierefixierten Mutter von Vicki, die nie da ist, aber dennoch alles bestimmen will und dabei stets den moralischen Zeigefinger hebt, obwohl sie selbst in ihrer Jugend gestohlen hat – dem fürsorglichen aber verklemmten Vater von Luise, den man angeblich alles fragen kann, nur eben nicht das, was einen als Jugendlichen gerade beschäftigt, weil er einfach nicht wahrhaben will, dass man kein Kind mehr ist; beide Eltern alleinerziehend versteht sich – Experten in Punkto Aufbau einer tragfähigen Beziehung!
Selten hat ein Stück so ungeteilte Zustimmung bei Schülern gefunden, sie waren mit Begeisterung bei der Sache selbst und der sich anschließenden Fragerunde. Auch die anwesende Elterngeneration konnte viel lernen, insbesondere warum sie hellhörig werden sollte, wenn ihre Kinder beschließen miteinander eine DVD gucken zu gehen. In diesem Sinne: „Check die Nudel, Tussi, alles Porno?“ [keine Ahnung, was das heißen soll; A.d.V.]
Text und Bilder
Fiesel




