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Um den Schülern der Kollegstufe die oft ungeliebte Lyrik etwas näher zu bringen, lud Studienrätin z.A. Alexandra Frauenholz einen sehr renommierten Lyriker ein.
Dr. Matthias Kneip stellte sich mit einem kleinen Lebenslauf vor, in dem er zugab, als Schüler selber kein Freund der Poesie gewesen zu sein. Heute schreibt er Gedichte mit zärtlich-ironischer Anspielung auf jene klassische Lyrik, die manchem Leser die Freude an Gedichten schon in der Schulzeit genommen hat. So entstanden in seinen Büchern „zärtlich kriegen“ und „Liebesverhältnisse“ Gedichte gegen das Image von Gedichten.
In humorvoller Weise führte er die Kollegiaten in die Kunst der Lyrik ein. Ein großes Problem in Deutschland sei, dass viel zu wenig gelesen wird. Nur wer liest, kann auch Gedichte schreiben. Ein Gedicht sollte wie ein Haus aufgebaut sein. Die Ideen dazu kommen Dr. Kneip überall, man muss nur seine Umgebung genau betrachten. Mit einem Gedicht über die Katze erklärte er, dass ein Gedicht zwar eine Beziehung zu einer Katze beschreiben kann, dass man sie aber auch auf eine menschliche Beziehung interpretieren kann. Das ist die Kunst des Dichters, aber auch des Lesers. In einem weiteren Gedicht sollten die Schüler die beschriebene Person erkennen, was einigen auch gelang. Dazu informierte der Referent, dass manche Gedichte nur verstanden werden, wenn man ein umfangreiches Wissen über deren Entstehungszeit und die Person des Dichters hat. Aus diesem Grund ist die Lyrik aus vergangenen Jahrhunderten für die heutigen Schüler oft schwer interpretierbar.
Gedichte werden bei Übersetzungen oft auch völlig konträr verstanden. Ein
Gedicht über die Frau, das in Polen sehr positiv bewertet wurde, scheiterte in Deutschland an der Emanzipationsbewegung. Ein Autor möchte mit seinem Gedicht die „Zahnräder im Gehirn“ anregen. Die Interpretation bleibt dem Leser selbst vorbehalten. Gerade den Schülern riet er, sich mit Gedichten zu befassen und sich dabei auch mit der eigenen Vorstellung über
den Text auseinander zu setzen. Ein weiteres Problem ist, dass alle Reime bereits irgendwann
veröffentlicht wurden. Man muss heute als Dichter den Mut haben, nicht stur die Wörter zu reimen. Auch das Metrum ist für ein Gedicht wichtig. Oft wird dieses Versmaß, das den Takt angibt, von den Dichtern automatisch ausgewählt, passend zur Stimmung, die das Gedicht vermitteln soll. Romane kann man einfach lesen, aber Gedichte sind eine Herausforderung für den Leser. Viele Autoren haben auch Vorbilder, wie Herbert Grönemeyer, dessen
Liedtexte ebenfalls zum Nachdenken anregen. Zum Schluss stellte Dr. Kneip noch einige Aphorismen vor, die das Abfallprodukt eines Dichters sind und doch zu schade für den Papierkorb. „Meinen Senf gebe ich schon lange nicht mehr dazu, sollen die armen Würstel doch sehen, wie sie ohne mich auskommen!“, war ein treffendes Beispiel dafür. Dr. Kneip bremste aber auch künftige Nachwuchsdichter, da man vom Dichten allein heute nicht leben
kann. Vor allem gute Poesie kann man nur dichten, wenn man keine Inhaltsvorgaben der Geldgeber hat. Viele Lyriker verkaufen ihre Werke daher an die Musikbranche für Liedtexte. Sie werden zwar nicht berühmt, bekommen dafür aber mehr Geld.
Nach einer Diskussion zu Autor und Gedichten legte der Dichter den Schülern zum Abschied ans Herz: „Die Faszination der Literatur hängt nicht vom Autor ab, sondern vom Leser. Das macht die Poesie so interessant.“