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Um den Unterrichtsstoff anhand von eigenen Eindrücken vor Ort zu vertiefen, unternahm die Klasse 11B am 21.06.2007, unter der Leitung von Frau StR’in Frauenholz und Herrn StR Fiesel, eine geographische Exkursion zu landwirtschaftlichen Betrieben im Heimatraum, die sich trotz der gegenwärtig schwierigen Rahmenbedingungen im Agrarsektor durch ihre Innovationskraft, unternehmerisches Geschick und Risikobereitschaft eine solide wirtschaftliche Basis aufbauen konnten. Alle drei setzen dabei im weitesten Sinne auf „biologische Landbewirtschaftung“, d.h. sie achten auf den Umweltschutz in besonderem Maße.
Die erste Station führte in das beschauliche Margaretenthann, wo die Familie Eichstetter im Vollerwerb Schottische Hochlandrinder als Fleischrinder und zu Zuchtzwecken hält. Die „Scottish Highland Cattles“ stammen ursprünglich aus Schottland und sind mittlerweile in der ganzen Welt für ihre Robustheit und ihre Genügsamkeit bekannt. Auf 46 ha Weidefläche trotzen die ca. 100 Tiere der Eichstetters das ganze Jahr über Wind und Wetter und gehören somit schon irgendwie zum Dorfbild dazu. Doch das war nicht immer so: Mit einem Lächeln im Gesicht erklärten die Eichstetters die Liebe zu den Tieren als verantwortlich für das stetige Wachsen ihres Bestandes seit den Anfängen vor 20 Jahren. Ursprünglich hatten sie einen typischen Mischbetrieb der Hallertau, mit dem Schwerpunkt auf dem Hopfenanbau. Schrittweise haben sich die tüchtigen Landwirte jedoch ganz auf eine extensive Bewirtschaftung mit Hochlandrindern spezialisiert und in Züchterkreisen einen überregionalen Bekanntheitsgrad erarbeitet: sie verkaufen ihre Tiere europaweit, bevorzugt nach Österreich und in die Schweiz, wo die Rinder zunehmend gehalten werden um die Almen offen zu halten und so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft leisten. Doch nicht nur die Züchter sind an den Schottischen Hochlandrindern aus Margaretenthann interessiert, auch jene Konsumenten, die v.a. in Zeiten von Lebensmittelskandalen und Tierseuchen auf rein biologische Erzeugnisse vertrauen: denn in diesen Rindern steckt nur Gras und Heu. Auch die Schüler der Klasse 11B durften diverse Salami von Hochlandrindern kosten, wobei sich alle einig waren, dass der Unterschied zu herkömmlicher Wurst aus dem Supermarkt riesig war. Herr und Frau Eichstetter vermarkten ausschließlich ab Hof und haben sich einen so guten Ruf erworben, dass sie mit ihrem Nischenprodukt aus der ökolologischen Landwirtschaft gut auskommen und recht optimistisch in die Zukunft blicken. Herr Eichstetter meinte abschließend: „Wir sind beide mit Herzblut bei der Sache, andere Dinge kommen für uns nicht mehr in Frage!“
Melanie Finger
Das zweite Ziel unserer Exkursion war der landwirtschaftliche Mischbetrieb der Familie Huber in Allakofen. Auch die Familie Huber baute bis vor zwei Jahren noch Hopfen an. Vor dem Hintergrund nötiger Modernisierungsmaßnahmen und großer Konkurrenz im Hopfengeschäft entschlossen sie sich jedoch zur Aufgabe dieses Betriebszweigs und stattdessen zum Bau einer Biogasanlage, die seit Dezember 2005 in Betrieb ist. Die Biogasanlage betreiben die Hubers übrigens zusammen mit der Familie Prummer aus Mitterstetten in der HP-Biogas-Agrar-GmbH-und-Co-KG. Neben der Biogasanlage haben die Hubers auch noch ihre Milchkühe behalten, was sich gut ergänzt, denn diese „fressen“ das gleiche wie die Biogasanlage, nämlich Silage, z.B. Mais- oder Grassilage, die zu Methan-Gas vergärt wird, das einen Motor antreibt, der wiederum – über einen Generator – Strom erzeugt. Naheliegend war dieser Versuch der Zukunftssicherung für die Familie Huber auch deswegen, da sie durch die Erfahrungen in der Milchwirtschaft das nötige Know-how und die nötigen Maschinen zur Silage-Produktion schon mitbrachten. Die Anlage selbst zählt mit Leistung von etwa 500 kW zu den größeren in unserer Region. Man benötigt etwa eine Anbaufläche von 200 ha jährlich, um sie zu betreiben, dazu sind natürlich zusätzliche Lieferverträge mit lokalen Landwirten nötig. Die Stromproduktion am Tag reicht, um den Jahresverbrauch von 3 Einfamilienhäusern zu decken. Das Besondere der Anlage ist, dass sie ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen „gefüttert“ wird. Der Staat fördert diese umweltverträgliche Art der Energieerzeugung mit 6 Cent pro kWh im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2000/2004 (sog. NawaRo – Bonus), eine wesentliche Voraussetzung, dass sich das Investitionsrisiko überhaupt einmal auszahlen kann. Dies alles und die Funktion der Biogasanlage wurde uns von Markus und Daniela Huber bei der Führung auf ihrem Hof, bei der wir auch am Biogas „schnuppern“ durften und abschließend auf ein Getränk eingeladen wurden, anschaulich erklärt. Sie sehen für diese Alternative in der Landwirtschaft durchaus eine Zukunft, jedoch verändert sich das Tätigkeitsfeld doch recht erheblich, insofern sich der Landwirt zum „Energiewirt“ verwandeln muss, der mit einem Wust von Auflagen zu kämpfen hat und idealerweise auch mit der Wartung des Generators selbst zurecht kommt, um teure Ausfälle der Anlage zu minimieren.
Kathrin Kreitmeier
Nach dem Mittagessen in Mainburg ging die Tour weiter zur Kompost- und Recycling-GmbH der Familie Högl in Dietrichsdorf, wo uns schon der Chef, Franz Högl jr., erwartete. Zusammen mit seiner Schwester Rita leitet er den ursprünglichen Familienbetrieb mit mittlerweile über 50 Angestellten, die großteils aus der Region stammen. Vor 19 Jahren suchte Franz Högl senior nach zusätzlichen Standbeinen für den landwirtschaftlichen Mischbetrieb. Zu dieser Zeit trat in Deutschland gerade der Vorläufer des heutigen Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes in Kraft. Die Grundregel lautete: Vermeidung vor Verwertung vor Beseitigung! Besonders organische Abfälle sollten aufgrund der hohen Grundwasserbelastung durch Sickerstoffe aus Deponien in Zukunft kompostiert und somit wiederverwertbar gemacht werden. Herr Högl erkannte die Chance und die Keimzelle seiner Kompost- und Recycling-GmbH war geboren. Bald schon stellten sich jedoch erste Probleme ein. Da organischer Abfall häufig zu feucht für die Kompostierung ist und außerdem viele Störstoffe enthält - das trifft besonders auf Lebensmittelabfälle zu - rüstete die Familie Högl 1995 mit einer Vergärungsanlage nach, deren Leistung schrittweise bis auf 1000 kW gesteigert werden konnte und weiteres Ausbaupotential hat. Damit können im Moment 2400-2500 Haushalte mit Bio-Strom versorgt werden. Im Gegensatz zur Biogasanlage der Hubers werden bei Högl v.a. die Lebensmittelabfälle verarbeitet, die Tag für Tag in den Supermärkten und privaten Haushalten anfallen und zunächst mit Hilfe einer aufwändigen Logistik nach Dietrichsdorf gebracht werden müssen. Aus Weichkäse oder Schokonikoläusen wird dort in einem aufwändigen Vorgang ein Methan-Kohlendioxid-Gemisch erzeugt, das so genannte „Biogas“. Die Umwandlung dieses Biogases in elektrische Energie ist nur ein positiver Effekt der Anlage, vom ökologischen und wirtschaftlichen Standpunkt her ist es entscheidender, dass die Bioabfälle sauber von Störstoffen getrennt und alle Komponenten so weit wie möglich weiterverarbeitet werden. Verursacher dieser Abfälle müssen für die Entsorgung entsprechend bezahlen. Durch ein Unwetter, das sich über uns zusammenbraute, in eine Halle getrieben, berichtete uns Herr Högl dort von weiteren Geschäftsfeldern, insbesondere von dem Windrad, das seit einigen Jahren das Bild der Gemeinde Volkenschwand prägt und bei der Bevölkerung großen Zuspruch gefunden hat. Das mittelgroße Windkraftwerk hat bei guten Windverhältnissen eine Leistung von etwa 600 kW. Bei dem ausgebrochenen Gewittersturm bewies uns das Windrad, was in ihm steckt, wobei es sich jedoch während des Vortrags zweimal aus dem Wind drehen musste, da es „nur“ Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h aushält.
Marina Kolmeder
Abschließend lud uns das Ehepaar Högl noch auf eine Brotzeit mit frischen Butterbrezen und Getränken ein, womit ein lehrreicher und spannender Ausflug zu Ende ging, der unsere Vorstellungen von der „Landwirtschaft“ heute und ihren Möglichkeiten entscheidend geprägt hat: Um die Zukunft der Landwirtschaft scheint es nicht zu schlecht bestellt zu sein. Entscheidend ist, dass der Gesetzgeber verlässliche Rahmenbedingungen aufrecht erhält und die Landwirte bereit sind, sich dem laufenden Strukturwandel immer neu zu stellen, wie es uns drei Betriebe aus dem Landkreis eindrucksvoll vorgeführt haben.





