Reisebericht
Japanreise des GGM vom 3. bis 13.September 2002
Vom 3. bis 13. September besuchte eine Gruppe von Schülern und Betreuern des GGM Mainburgs Patenstadt Moriya und die Moriya- highschool in Japan. Der folgende Bericht gibt Eindrücke der Reise wieder.
Nach einem fast 14-stündigem Flug über London nach Tokio kamen 23 Schülerinnen und Schüler des GGM mit ihren 6 Betreuern wohlbehalten am Flughafen Narita an. Dort erwartete uns bereits eine kleine Delegation aus Moriya samt Dolmetscherin und brachte uns mit dem stadteigenen Bus zum Rathaus in Moriya.
Überwältigend herzlich war der Empfang im Rathaus und die Begrüßung durch Bürgermeister Sinishi Aida, seine Stellvertreter und dem Vorsitzenden der MIFA (Moriya International Friendship Association).
Nach einer kurzen Rathausbesichtigung ging es zum Einchecken und Frischmachen in den Nihon koua , ein Schulungs- und Versammlungszentrum, das uns die ersten 2 Nächte zum Eingewöhnen und zur leichteren Anpassung an japanische Lebensgewohnheiten aufnahm. Schon zwei Stunden später hieß es dann wieder Abfahrt zur Willkommens–Party im MIFA Loghouse, einem schönen Holzhaus, wo uns der Bürgermeister, Vertreter der Stadt , der Vorsitzende der MIFA und vor allem schon viele unserer künftigen Gasteltern und Gastgeschwister erwarteten. Es folgten ein erstes persönliches Kennenlernen unserer Gastfamilien und erste Kontakte mit japanischer Esskultur bei einem üppigen Büffet. Stunden später ging dann ein langer Tag mit vielen ersten Eindrücken zu Ende, todmüde sanken wir in unsere Betten.
Am nächsten Tag stand die Zubereitung von Soba Nudeln und Verspeisen der selbst zubereiteten Nudeln auf dem Programm. Der schwierigste Teil dabei war für uns das Nudelessen mit Stäbchen und das Sitzen auf den Tatamimatten am Boden. Nur gut, dass Schlürfen beim Nudelessen in Japan zu den guten Tischsitten gehört. Der anschließende Besuch eines buddhistischen Schreins und die Darlegung buddhistischer Glaubensvorstellungen durch einen Mönch beeindruckte uns sehr. Unser nächster Programmpunkt war , die Asahi - Brauerei, die 1990 in Moriya eine ihrer größten Braustätten in Japan errichtete. Hier konnten wir sehen wohin der Hallertauer Hopfen exportiert wird. Eine Kostprobe des Asahi Bieres überzeugte, dass man in Japan durchaus etwas vom Bierbrauen versteht!
Der dritte Tag in Moriya war dem gemeinsamen Besuch der Oberschule gewidmet. Wir wurden vom Schulleiter, seinem Stellvertreter und den Englischlehrern begrüßt und dann in das japanische Schulleben eingeführt. Wir konnten am Sportunterricht und anschließend am Kalligraphieunterricht teilnehmen. Schnell mussten wir Anfänger in Kalligraphie erkennen, dass das korrekte Schreiben uns völlig fremder Schriftzeichen mit einem dicken, weichen Pinsel lange Übung erfordert! So richtig Spaß bereitete dann uns und den Gastgebern die Englischstunde. In einem Quiz konnten japanische und deutsche Schüler im Team ihr Allgemeinwissen und ihre Englischkenntnisse unter Beweis stellen. Zum Schluss stellten unsere Schüler des GGM den Mitschülern in Moriya das bayerische Schulsystem und das Leben am Mainburger Gymnasium vor. Erstaunen rief hervor, dass wir in der Schule keine Schuluniform tragen müssen und dass wir nicht jeden Tag Nachmittagsunterricht haben, wie das in Japan üblich ist.
Bevor wir dann am Freitagabend auf die Gastfamilien verteilt wurden, wartete noch die „Zeitkapsel“ im Rathaus auf uns. Lange rätselten wir, was es wohl damit auf sich habe. Dahinter verbarg sich allerdings eine beeindruckende Idee:
Im Februar diesen Jahres wurde Moriya zu Stadt erhoben, also gewissermaßen geboren. Unser Bürgermeister Egger war bei dieser Stadterhebungsfeier anwesend, wie mehrfach positiv erwähnt wurde. Es dauert nach japanischer Vorstellung 20 Jahre bis ein junger Mensch erwachsen wird. Solange hat auch die Stadt Moriya Zeit „erwachsen“ zu werden. Zur Erinnerung an das „Geburtsjahr“ wird Moriya in 20 Jahren, wenn die Stadt „erwachsen“ ist, die in der „Zeitkapsel“ eingelagerten und verschlossenen Gegenstände und Briefe des „Geburtsjahres“ wieder herausholen und die adressierten Briefe versenden. Wir durften nun an uns selbst adressierte Briefe in die extra für uns geöffnete Zeitkapsel einlagern und dürfen nun hoffen, sie in 20 Jahren wieder in Empfang nehmen zu können. So manchem Reiseteilnehmer ging da schon der Gedanke durch den Kopf was wohl in 20 Jahren sein wird?
Das Wochenende verbrachten wir in den Gastfamilien. Jeder Reiseteilnehmer konnte nun ganz individuelle Erlebnisse sammeln. Am Montag auf der Fahrt nach Nikko, einem nationalem Kulturerbe mit vielen Tempeln , wurde über diese Erlebnisse dann auch ausgiebig berichtet. Nikkos Tempel und Schreine mit reichem Schnitzwerk beeindruckte uns sehr. Gerne hätten wir noch mehr Zeit dafür aufgewendet. Aber schließlich wollten wir an diesem Tag auch noch einen Wasserfall besichtigen. Spät abends und ziemlich müde kamen wir mit unserem Bus nach Moriya zurück. Schon am nächsten Tag ging es auf den Mount Tsukuba. Der harte Kern der Teilnehmer und der japanischen Mitschüler ließ es sich nicht nehmen, den „heiligen Berg“ zu Fuß zu besteigen – eine schweißtreibende Angelegenheit bei hohen Temperaturen und extrem hoher Luftfeuchtigkeit! Alle Mühen des Aufstiegs waren jedoch schnell vergessen als der Schrein am Gipfel erreicht war. Und abwärts ging es ohnehin bequem mit der Bergbahn!
Noch zwei Tage durften wir mit unseren Gastfamilien verbringen, ehe am Donnerstag Abend unsere Abschiedsparty im MIFA Loghouse stieg. Es war nun an uns, herzlich Danke zu sagen, für all die schönen Tage die wir in Moriya und mit unseren Gastfamilien erleben konnten Mit Liedern aus unserer Heimat, mit Präsentationen unserer Schule und der Stadt Mainburg, sowie Präsentationen von Bayern und Deutschland versuchten wir unseren Dank auszudrücken und Bilder unserer Heimat in Moriya zu hinterlassen.
Wir kehrten zurück in der Hoffnung, dass dieser Austausch vor allem junger Menschen fortgeführt und intensiviert werden sollte. Ganz herzlich danken wir auch der Stadt Mainburg, die diesen Aufenthalt in Japan in vielfältiger Weise unterstützte und begleitete.
U. Diepold-Ferstl (Photos: J. Tschacher)

